Wie viel Anziehungskraft hat die EU noch?

Film- und Diskussionsabend zu europäischen Ländern aus der Nachbarschaft: Moldawien und Kroatien
In der Dokumentarreihe „Return to Europe“ porträtiert ESI Länder aus dem Südosten Europas und deren Vergangenheitsbewältigung. Die zwei jüngsten Werke zu Moldawien und Kroatien wurden Ende November in Berlin vorgestellt und diskutiert.
"Return to Europe“ Foto: Sepehr Shahin
„Aurelio Ciocoi und Gerald Knaus" Foto: Sepehr Shahin
„Kroatiens Außenministerin Vesna Pusic" Foto: Sepehr Shahin

In zwei Erstaufführungen zeigte der Think Tank Europäische Stabilitätsinitiative (ESI) die neuesten Filme aus der Dokumentarreihe “Return to Europe” vor einem Publikum aus politischen Entscheidungsträgern, Würdenträgern und Studenten im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator.

In seiner zwölfteiligen Dokumentarreihe “Return to Europe” porträtiert ESI Länder Südosteuropas, die es geschafft haben, politische und bewaffnete Konflikte zu bewältigen und aus diesen Auseinandersetzungen gestärkt hervorzugehen. Die beiden jüngsten Teile der Reihe richten ihr Augenmerk auf die Republik Moldau, das ärmste Land Europas, das große Ambitionen hat, in die EU aufgenommen zu werden, und Kroatien, ein Land, das im EU-Beitrittsprozess ernsthafte politische und ethnische Konflikte meistern musste. Die Reihe wurde bisher weltweit von mehr als fünf Millionen Zuschauern gesehen, und wurde 2008 mit dem Erasmus Euromedia Award für seinen “Beitrag für die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Gesellschafts- und Wertesystems” ausgezeichnet.

Der Moldawien-Film mit dem Titel Moldova: Lost in Transition? wurde am 22. November in Berlin uraufgeführt. Im Anschluss an den Film gab es eine Diskussionsrunde mit Aureliu Ciocoi, dem Botschafter der Republik Moldau in Deutschland. Gerald Knaus, Gründer und Vorsitzender von ESI, betonte dabei, dass mit dem Film vor allem beabsichtigt wurde, den Zuschauern näher zu bringen, dass das leider wenig beachtete Land in den wenigen Jahren seiner staatlichen Unabhängigkeit beachtliche Anstrengungen unternommen hat, näher an Europa heranzurücken. Botschafter Coicoi griff einige Punkte des Filmes in seiner Diskussion mit Gerald Knaus auf und unterstrich, dass sich das Land als souveräner, ehemaliger Sowjetstaat einigen ernsthaften Herausforderungen stellen musste. Gleichwohl kommt er zu dem Schluss, dass die Regierung der Republik Moldau sich heute mehr denn je der der europäischen Integration verpflichtet fühlt.

Die Premiere des zweiten Films Twilight of Heroes – Croatia, Europe and the International Tribunal fand in Anwesenheit der kroatischen Außenministerin Vesna Pusic und des kroatischen Botschafters Miro Kovac statt. Der Film erschließt die konfliktbeladene Vergangenheit Kroatiens, von den Kriegen Anfang der Neunziger Jahre bis hin zur Annäherung an die Europäische Union im Rahmen des Beitrittsprozesses. Die anschließende Diskussion eröffnete Gerald Knaus mit der Frage, ob die Europäer sich darüber im Klaren seien, wie weit das Land im Transformationsprozess bereits fortgeschritten sei, worauf Außenmi-nisterin Pusic entgegnete: “Ich habe beinahe vergessen wo wir angefangen haben und was bisher alles geschehen ist!” Während viele die Aufnahme Kroatiens in die EU als unvermeidbar erachten, gelingt es Twilight of Heroes, einen überzeugenden Blick auf die Entschlossenheit eines Landes zu vermitteln, sich über die Konflikte hinwegzusetzen. Ein Video zur Diskussion finden Sie auf der ESI-Website.

Die Veranstaltungen waren eine Kooperation der Europäischen Stabilitätsinitiative, der Stiftung Mercator, des European Council on Foreign Relations und der ERSTE Stiftung.